Der Mainzer Carneval-Verein 1838 e.V. (MCV) und die Mainzer Fastnacht eG zeigen klare Kante zum Urteilsspruch eines Moskauer Gerichts gegen den Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly: „So lächerlich wie die Anklage, so lächerlich wie der Prozess, so lächerlich ist auch das Urteil“. Jacques Tilly wurde in Abwesenheit zu einer langjährigen Haftstrafe in Abwesenheit verurteilt. Es geht dabei um die von Tilly gebauten Motivwagen, die Wladimir Putin und den von ihm befohlenen Krieg in der Ukraine kritisieren.
„Dass künstlerische Freiheit und politische Satire derart kriminalisiert werden, macht uns betroffen – und wütend. Jacques Tillys Arbeiten stehen für das, was Satire leisten muss: den Mächtigen den Spiegel vorhalten, Missstände sichtbar machen und Haltung zeigen. Das absurde Urteil aus Russland zeigt umso deutlicher, wie notwendig Satire ist. Der Mainzer Carneval Verein 1838 e.V., der die politische Satire in Mainz seit jeher organisiert, lebt und verteidigt, steht fest an Tillys Seite. Unsere Tradition wurzelt im freien Wort, im offenen Widerspruch und im klaren Bekenntnis zur Demokratie. Das Recht darf dem Unrecht nicht weichen – und schon gar nicht dienen“, erklärt Hannsgeorg Schönig, Präsident des Mainzer Carneval-Vereins 1838 e.V.
Auch die Mainzer Fastnacht eG unterstreicht ihre Haltung und kündigt an, sich in ihrem Engagement für Meinungsfreiheit nicht beirren zu lassen. „Es war leider zu erwarten, dass das Gericht in Moskau so entscheidet. Die Mainzer Fastnachter lassen sich davon nicht beeindrucken und werden weiterhin in Vorträgen und Motivwagen das Weltgeschehen karikieren. Die Fastnacht eG wird die Meinungsfreiheit immer in den Vordergrund stellen, dafür stehen die 41 Mitgliedsvereine“, betont Vorstandssprecher Markus Perabo.
Für den Kreativkreis des MCV, in dem die politischen Motivwagen entwickelt werden, ist das Urteil ein alarmierendes Signal weit über den konkreten Fall hinaus. Boris Henkel, Sprecher des MCV-Kreativkreises, erklärt:
„Es war abzusehen, dass dieses Pseudo-Gericht ein solch absurdes Urteil fällen würde, denn es stand wohl schon bereits fest, als er angeklagt wurde. Rechtsstaatlichkeit ist ein Bestandteil freiheitlicher Demokratie, die es in Russland nicht gibt. Dass dieses repressive, inhumane System einen Künstler mit Haft bedroht, weil er es durch seine Satire kritisiert, zeigt, wie kostbar es wiederum ist, in einem Land zu leben, das die Stärke besitzt, Satire zu tolerieren. Wir bekräftigen unsere Solidarität mit Jacques Tilly. Mit ihm wurden alle angeklagt und verurteilt, denen Meinungsfreiheit, Freiheit der Kunst und Freiheit der Satire ein wichtiges Anliegen ist. Einmal mehr entgegnen wir dem Machthaber im Kreml: „Wir alle sind Jacques Tilly“!“
Der MCV und die Mainzer Fastnacht eG verstehen das Urteil als Mahnung und zugleich als Auftrag: Die politische Fastnacht werde weiterhin klar, pointiert und furchtlos Stellung beziehen – im Sinne einer lebendigen Demokratie und einer freien Gesellschaft.